Eine (Arbeits-)Woche mit dem neuen MacBook Pro

Nach dem Ersteindruck von letzter Woche, einem reduzierten Endorphienspiegel und einem harten Arbeitsalltag, möchte ich ein paar Gedanken zum aktuellen MacBook Pro mit euch teilen.

Das Gerät selbst begeistert (und nicht nur mich) immer noch. Formfaktor, Qualitätsanmutung, Materialauswahl, Wertigkeit, das alles passt und überzeugte bisher jeden, der das MacBook Pro mit Touchbar in Spacegrey unter seine Finger nehmen konnte. Etwas schockiert bin ich über die Tatsache, dass nach nur einer Woche Kennenlernen ein Blick auf das „alte“ MacBook Pro wirkt, als würde mann auf ein Relikt der Vergangenheit schauen, obwohl wir alle wissen, das ein 2015er MacBook Pro immer noch mehr Charisma hat, als viele Windows-Laptops zusammen.

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Was weiterhin bleibt ist der superhelle und faszinierende Bildschirm, die (für meine Zwecke) immer ausreichende Performance und die gigantische Geschwindigkeit der SSD. Das Trackpad ist allen Zweifeln erhaben und die Größe fällt weder positiv noch negativ ins Gewicht. Überaus angenehm sind auch die ganz gut temperierten und bei Wunsch sehr kräftigen Lautsprecher. Apropos laut, die vorhandenen Lüfter sind inzwischen ein einziges Mal angesprungen. Trotzt diverser geöffneter Apps, einer parallelen virtuellen Maschine, Java-Applikationen und gestreamter Musik im Hintergrund. Also alles im grünen Bereich.

Das Detail, nachdem sich Betrachter immer zuerst erkundigt haben, war natürlich die Touch Bar und es mag enttäuschend klingen, wenn ich sage, dass dieses Element des neuen MacBook Pro für mich kein Kaufargument war und es auch in Zukunft keines sein wird. Apple hat bei der technischen Ausführung einen guten Job gemacht. Die Touch Bar funktioniert, lässt sich angenehm bedienen, aber in meinem persönlichen Arbeitsalltag spiel sie fast keine Rolle.

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Ohne wollte ich ehrlich gesagt aber auch nicht mehr sein. Schön sind die Konfigurationsmöglichkeiten des Control Strips. Es fühlt sich beim Sliden, Wischen und Tippen schon sehr nach Zukunft an, aber je nach Anwendertyp „verpuffen“ viele der gut gemeinten Ideen. Ich selbst würde mich als Power-User bezeichnen, der mit dem MacBook Pro seinen kompletten Arbeitsalltag, dem Entwicklen und Programmieren in einer typischen modernen Bürowelt bestreitet. Und gerade für mich, der schon in der Vergangenheit vieles direkt und blind über die Tastatur erledigt hat, bleibt die Benutzung der Touch Bar meist auf der Strecke.

Das heißt nicht, dass ich die Touch Bar als überflüssig erachte, aber für mich ist sie definitiv mehr ein Consumer-, denn ein Pro-Feature.

Manchmal arbeitet man ja auch mit externen Tastaturen, dann verzichtet man automatischerweise auf alle netten Spielereien der interaktiven Leiste. In solchen Momenten vermisst man dann aber weniger deren Funktionsumfang, sondern vielmehr ein kleines aber bedeutendes Detail, was man auf der rechten Seite findet – Touch ID. Der Fingerabdrucksensor, den wir bereits vom iPhone oder dem iPad kennen, der gleichzeitig auch ein Ein- und Ausschalter ist. Touch-ID ist schon ein kleines „Killer-Feature“; einmal damit gelebt, will man es nicht mehr missen. Hervorragend auch der schnelle Benutzerwechsel ohne umständlich Auswahl im Menu. Einfach Finger auflegen, kurz drücken und schon ist man im anderen Benutzeraccount. Wundervoll!

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Noch einfacher geht das Anmelden mit einer Apple Watch. Aktiviert man diese neue Funktion, entsperrt sich der Mac automatisch, wenn man sich in seiner Nähe befindet. Es wäre also schön, wenn wenigstens Touch-ID seinen Weg auch auf das Magic Keyboard finden würde.

Ein im Vorfeld sehr kontrovers diskutierter Punkt betrifft die neue Tastatur am MacBook Pro. Ein objektive Bewertung ist natürlich schwierig, schließlich hat jeder Mensch ein anderes Empfinden und natürlich auch andere Präferenzen. Ich selbst bin ein Schnell- und Vieltipper (mit bis zu 400 Anschlägen die Minute) und ich muss sagen, dass ich mich ausgesprochen schnell und gut an die neuen Tastatur gewöhnt habe. Kritikpunkte bleiben weiterhin die doch sehr laute Geräuschkulisse, übrigens auch lauter als das 12″ MacBook mit Butterfly Tastatur. Bei Oberlicht spiegelt die Tastenfläche etwas mehr als beim Vorgänger, was dann auch das Ablesen der Touch Bar etwas schwieriger macht. Schön dagegen ist die klare Abgrenzung der beleuchteten Tastatur auf die entsprechenden Zeichen. Vorbei das aus allen Ritzen und Kanten Leuchten, wie bei der alten Tastatur.

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Mit der Adaptersituation kann man ehrlich gesagt leben, schließlich gehörten diverse Adapter auch beim Vorgänger zum Büroalltag. Über einen passenden Multiport-Adapter lassen sich viele der fehlenden Anschlüsse gekonnt und platzsparend abfangen. Schön ist dabei, dass dann nur noch ein Kabel in den Mac gesteckt werden muss; es lebe die Dockingstation. Leider ist die passende Auswahl eines solchen Multiport-Adapters, trotzt über einem Jahr MacBook (one), noch immer nicht leicht und ein großes Manko bleibt im Moment die oftmals noch fehlende Unterstützung von hochauflösenden Monitoren mit 60 Hz.

Etwas störend empfinde ich die Verbindung der USB-C Stecker selbst, die doch sehr fest im Gehäuse sitzen und nur mit einem erheblichen Kraftaufwand entfernt werden können und keine Frage, der elegante Magsafe fehlt. Was dagegen nicht fehlt ist der Startsound und der leuchtende Apfel. Viel diskutierte Details, die im Arbeitsalltag aber dann doch keine Rolle spielen.

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Somit zeigt sich ein überaus positives Bild des neuen MacBook Pro mit Touch Bar, wenn man mal den doch erheblichen Preispunkt und die leider nicht aktuelle Prozessorarchitektur außer Acht lässt. Faktoren, die in der nächsten Evolutionsstufe wohl weniger eine Rolle spielen werden.

Ein doch sehr negativer Punkt bleibt aber, vorausgesetzt es handelt sich dabei nicht um ein Problem und Produktionsfehler der 1. Serie. Die Akkulaufzeit ist nicht nur schlechter, sondern für meine Verhältnisse fast inakzeptabel geworden. Mein Vorgänger, ein altes MacBook Pro hat noch heute mit einem ca. 2 Jahre alten Akku eine Laufzeit von 9-10 Stunden, die mich fast einen kompletten Arbeitsalltag ohne Strom  haben auskommen lassen. Das neue MacBook Pro hat es laut (kalibrierter) Anzeige noch nie über 5,5 Stunden geschafft, wobei die tatsächliche Benutzung sogar weit darunter lag.

Ein heftiger Wermutstropfen … schauen wir mal was der Apple Support dazu sagt.

Apple, baut bitte einen kabellosen Kopfhörer

Den gibt es doch schon, werden jetzt ein paar Schlaumeier antworten. Den Beats Powerbeats2 kann man schon lange kaufen, denn schließlich ist die Firma Beats seit 19 Monaten ein Teil von Apple.

Ja schon, aber zum einen wünsche ich mir „echte“ bei Apple entwickelte Hardware und zum anderen bin ich mit meinen 47 Jahren wohl zu alt für die „coolen“ Beats. Nein, im Ernst …

Warum gibt es auf dieser Welt noch keinen überzeugenden Bluetooth Kopfhörer? Was ist daran so schwer?

Watch and ShoeAls die Apple Watch im Frühjahr des letzten Jahres auf den Markt kam, war sie für mich als Läufer ein Segen. Ich hatte es satt, ständig ein klobiges iPhone mit mir herumschleppen zu müssen. In Zeiten der Giganto-iPhones eine echte Erlösung.

Wer auf GPS-Daten verzichten kann, dem empfehle ich nur mit der Apple Watch zu laufen. Sie zeichnet relativ präzise den zurückgelegten Lauf auf, misst dabei ständig die Herzrate und ganze 2 GB Musik hat man auch noch an Bord. Mit der Tatsache, dass die Musik jetzt über die Uhr läuft, musste also ein Bluetooth Kopfhörer her.

Die Auswahl war und ist sehr groß und man findet alles in jeder erdenklichen Preisklasse. Ich wollte keine Kompromisse eingehen und habe mich (damals) für einen Jabra Sport Rox [Affiliate Link] entschieden. Wie ich finde ein guter Kopfhörer, nur leider auch mit (nicht verschmerzbaren) Schwächen.

Jabra Sport Rox

Positiv ist die gute Verarbeitung, der anständige Klang, die relativ angenehme Passform, was aber leider nur für den Büroalltag gilt und nicht für den Sport. Dort fallen mir die Hörer ständig aus den Ohren, egal was ich schon probiert habe, nichts funktioniert richtig. Die Ohrstöpsel sind einfach zu schwer, außerdem entsteht durch das Kabel, welches die beiden Ohrknöpfe verbindet, oft ein leichter Zug, der die Kopfhörer dann endgültig aus den Ohren fallen lässt. Ohne Stirnband oder im Winter ohne Mütze sind die Dinger somit (für mich) beim Sport nicht nutzbar.

Sehr schade, ist das Produkt doch nicht schlecht und wartet mit einer vernünftigen Akkulaufzeit und einer tollen Magnethalterung auf, die beide Ohrstöpsel mit einem Klick aneinander heften lässt und gleichzeitig die Verbindung und somit auch die Musik unterbricht. Eine tolle Lösung. Schön auch, dass man sich mit mehrere Geräten gleichzeitig verbinden kann und das sonst immer notwendige erneute Koppeln entfällt.

Was aber bleibt, ist das ständig nervende Bluetooth-Verbindungs-Bingo.

Mal klappt alles problemlos, mal nicht. Hallo liebe Bluetooth-Standardisierungsgruppe, wir schreiben das Jahr 2016!

Alle Konzepte die zur Zeit auf dem Markt sind, sei es mit Bügeln, in-Ohr-Flügeln, Akku im Kabel, oder was auch immer, können leider nicht auf ganzer Linie überzeugen. Zeit also für Apple mal was brauchbares zu präsentieren. Hoffen wir, dass die internen Grabenkämpfe zwischen Apple und Beats das Produkt nicht allzu sehr verwässern und man in Zukunft in Sachen Kopfhörer aus dem Konzern endlich mal eine klare Richtung erkennt.

Oder sehen wir am Kickstarter Projekt von Bragi schon, wo die Reise hingeht? Sehr interessante Ideen gibt es da zu entdecken. Kopfhörer, die nicht mit einem Kabel verbunden sind und nicht durch Zug aus dem Ohren fallen. Eine Steuerung an den Kopfhörern selbst, das nervige Suchen der Remote entfällt und natürlich auch die Chance bei einem Songwechsel zum 10. Mal den Knopf aus dem Ohr zu ziehen. Relativ grosszügige Gehäuse, die auf eine ordentliche Batterielaufzeit schließen lassen. Ein Case was gleichzeitig eine Akkuladestation ist. Integrierte Sensoren im Kopfhörer, um die Herzfrequenz zu messen. Das Gerät ist wasserdicht und so auch zum Schwimmen geeignet. Übrigens mein  Lieblingswunschpunkt für die nächste Generation der Apple Watch, ein „echtes“ wasserdichtes Gehäuse.

Klar ist, dass der iPhone Kopfhöreranschluss in Zukunft wegfallen wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Klar ist auch, dass es dann eine kabellose Alternative geben muss. Hoffen wir mal, dass der Kauf von Beats nicht nur für Apple Music gut war, sondern endlich ein vernünftiger Bluetoothkopfhörer präsentiert wird.

Die Zeit ist endgültig reif dafür!