Touch me Baby

Oder, die ersten Stunden mit dem neuen MacBook Pro mit Touch Bar.

Meine Finger zittern, mein Kopf fährt Karussell. Tausend Dinge schießen mir durch den Kopf über die ich jetzt alles berichten und schreiben möchte. Gerade eben noch Stand der DHL Expressbote vor der Tür und hat mir das neue MacBook Pro mit Touch Bar überreicht.

In den ersten Minuten bei Apple bestellt und somit als einer der ersten in Deutschland erhalten. Und doch weiß ich, dass schon fast alles über dieses Modell gesagt und geschrieben wurde. Reviews, Tests und Videos überfluten das Netz, gibt es doch schon seit kurzem das MacBook Pro „ohne Touch Bar“ und wie schon so oft konnten die Fanboys über dem großen Teich die neue Hardware schon eine Woche zuvor begutachten.

Genau deshalb möchte ich hier meine ersten, sicherlich sehr emotionalen und subjektiven Eindrücke niederschreiben, denn was nützt das hundertste objektive Review nach festgelegtem Punktesystem, oder der tausendste Foreneintrag übe die fehlende Escape-Taste, wenn man das Ding nicht einmal selbst unter den Fingern hatte.

Los gehts … Apple Hardware auszupacken ist immer eine große Freude. Perfekt inszeniert öffnet man den Versandkarton wie einen Reißverschluss, löst die Folie der Verpackung und schiebt den Deckel langsam nach oben. Im Kopf erklingen dabei die Fanfaren aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ und zum Vorschein kommt das neue MacBook Pro über das sich im Moment die gesamte Apple-Community den Mund verreißt.

In diesem Moment sind alle nur so objektiv abgewägten Argumente gegen dieses Produkt vom Tisch gewischt; die Aufschreie auf Twitter, Facebook und Co. und seien sie noch so berechtigt sind nur noch leise aus der Ferne zu hören. Wie ein Monolith im Weltraum dreht man das unverschämt gut aussehende space-graue-Objekt in seinen Händen und denkt; Apple hat es doch noch drauf. Die Hardware, deren Verarbeitung, die Auswahl der Materialien und Komponenten lässt keinen Zweifel darüber übrig, dass es sich um ein Produkt „Designed by Apple in California“ handelt. Dieses MacBook Pro ist (vor allem in spacegrey) unwahrscheinlich schön.

Man öffnet vorsichtig den Monitor und trotzt aller zuvor genutzer Apple Laptops (seit dem Titanium) ist dieses Gefühl neu und faszinierend zugleich. Man spürt den Vorsprung zum Vorgängermodell so deutlich, dass man es nicht für möglich hält und ich benutze im Moment ein MacBook Pro Anfang 2015. Also kein Gerät was man eigentlich ersetzten müsste und trotzdem habe ich es getan.

Gleich vorweg; hätte ich nicht einen neuen Rechner in der Familie gebraucht, wäre ich nie auf die Idee gekommen mir das neue MacBook Pro zu kaufen. Zu groß erschienen mir die Kompromisse beim neuen Gerät und vor allem, zu gut war/ist das „alte“. Niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen ich bräuchte was neues, besseres.

Das „letzte“ MacBook Pro ist noch heute ein Rechner, der fast keine Wünsche offen läßt.

Hinzu kommt der überaus schmerzhafte „Preispunkt“ der neuen Modelle. Noch nie war es so teuer bei Apple einzukaufen und somit kann ich schon vorwegnehmen, dass ich eine Empfehlung zum Kauf des aktuellen MacBook Pro mit Touch Bar nicht direkt aussprechen kann. Zumindest nicht zum aktuellen Zeitpunkt.

Aber weiter zu den Ersteindrücken. Der Monitor ist fantastisch, die Brillanz, die Farbwiedergabe, diese unverschämte Helligkeit und wenn ich mich nicht irre scheint man auch bei der Entspiegelung (ein notwendiges Übel der heutigen Zeit) etwas verbessert zu haben.

Das Trackpad ist gigantisch und lässt fast keine Wünsche übrig, wäre da nicht der veränderte Sound beim Klicken, welchen man komischerweise auch nicht mehr deaktivieren kann. Das Trackpad klingt dumpfer, mechanischer, fast als würde man eine Feder unter dem Trackpad bewegen. Der haptische Eindruck ist allen Zweifeln erhaben, aber der Sound ist für mich „gewöhnungsbedürftig“. Eigentlich ist es ja schon lustig, wenn man über ein so kleines Detail wie das Geräusch beim Klicken des Trackpads spricht,  dieses gar seziert und auseinandernimmt. Gibt es diese Diskussionen auch bei Windows Laptops? Wohl eher nicht. Es macht aber deutlich auf welche Ebene man sich beim Testen eines Apple Laptops begibt.

Bleiben wir bei den Geräuschen. Die Tastatur steht dem Trackpad in nichts nach, sondern setzt noch einen drauf. Viel wird über das neue Keyboard mit Butterfly-Tasten geschrieben. Unzählige Benutzer werden mit der neuen Tastatur nicht warm und auch ich empfand den geringen Hub im ersten Moment als störend, was aber viel abschreckender ist sind die Geräusche, die beim Tippen entstehen. Unüberhörbar „klickt“ diese Tastatur, auch wenn man die Tasten nur leicht anschlägt. Und zu allem Übel ist dieses „Klicken“ auch nicht gerade leise. Ein Hörsaal voller neuer MacBook Pro ist sicherlich keine angenehme Vorstellung.

Was das Schreiben auf der Tastatur angeht war ich im ersten Moment ehrlich gesagt entsetzt und etwas abgestoßen. Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, gewöhne ich mich unerwartet schnell daran. Der geringe Hub ist nach so kurzer Zeit für mich kein Thema mehr und inzwischen bin ich auch mal kurz aufgesprungen und an das alte MacBook Pro herangetreten, um dort nochmals was zu tippen und es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass sich die alte Tastatur jetzt sehr „schwammig“ und „billig“ anfühlt. Dieser eindeutige „Klick“ der neuen Tastatur ist für mich als ausgesprochener „Viel- und Schnelltipper“ (ich beherrsche das 10 Fingersystem) schon jetzt nicht mehr wegzudenken.

Ich mag die neue Tastatur (wenn nur nicht diese gewöhnungsbedürftige laute Geräuschkulisse wäre).

Auf der einen Seite liebe ich das laute Klackern alter IBM-Tastaturen. Etwas erinnert bei der neuen MacBook Pro Tastatur tatsächlich daran. Ein Zweifel bleibt aber, denn irgendwie  erscheint diese Geräuschkulisse im Jahre 2016 einfach etwas deplatziert.

Und ja, wenn wir gerade bei der Tastatur sind, da war doch noch etwas. Genau, die Touch Bar. Ein neuer Weg, den Apple hier beschreitet. Herausragend im Vergleich zu allen anderen Produkten auf dem Markt und wenn ich das vorweg nehmen darf, unglaublich gut umgesetzt. Die Touch Bar wirkt nicht wie ein Zusatz oder gar Fremdkörper. Die Leiste integriert sich vorzüglich in das bestehende Design und ist technisch sehr gut umgesetzt. Das Highlight ist natürlich der Fingerabdrucksensor auf der rechten Seite. So geht Zukunft. Und trotzdem habe ich bisher noch so gut wie nicht Gebrauch von ihr gemacht. Ein bisschen an der Helligkeit gespielt. Vielleicht mal ein Emoji eingefügt, aber ein direkter Mehrwert ist im ersten Augenblick nicht zu spüren.

Keine Frage, für mich ist schon jetzt die Touch Bar nicht mehr wegzudenken. Warum sollte man auch darauf verzichten wollen.

Dennoch ist der Nutzen nicht von der Tragweite, die man im ersten Moment versucht darin zu interpretieren und hoffen wir mal nicht, dass es nach längerer Zeit gar wie ein unnötiges Spielzeug wirkt. Die Zeit wird es zeigen.

Apropos Zeit … Apple hat mit dem neuen MacBook Pro sicherlich keinen hundertprozentigen Wurf aufs Parkett gelegt. Persönlich würde ich das aktuellen Modell keinen meiner Freunde empfehlen, die schon ein MacBook Pro haben  (1. Serie, Prozessorarchitektur, RAM-Grenze, Preis). Das bedeutet aber nicht, dass wir es hier mit einem schlechten Produkt zu tun haben. Ganz im Gegenteil.

Wie auch schon in den Jahren zuvor (denken wir mal an das MacBook Air) war das erste Modell nicht ein Gerät für die Massen, es hat aber gezeigt wohin die Reise geht. Und selbst wenn man jetzt nicht einsteigen soll oder möchte, bleibt das Ziel dennoch erstrebenswert.

Ein Gedanke zu “Touch me Baby

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