Spielempfehlung – Nightgate

„Im Jahr 2398 ist nach einem großen Krieg ein Netzwerk aus intelligenten Computern, der sogenannten Nightgate, das letzte Vermächtnis von Leben auf dem Planeten Erde.“

Dieser Einleitungssatz lässt keine Frage offen, dass es sich bei dem iOS-Titel Nightgate [Affiliate Link] um ein Spiel handelt, welches in einem dystopischen Zukunftssetting spielt. Das ist zwar richtig, beschreibt aber auf keinen Fall die im Spiel gezeigte reale Welt.

In den 70er Jahren wurden Atari 2600er Spiele mit aufwendig, liebevoll handgezeichneten Fantasiewelten beworben. Das tatsächliche Spiel, mit seiner rudimentären 8-bit Klötzchenoptik war aber so weit davon entfernt, wie Donald Trump von Mutter Theresa.

Ähnlich verhält es sich bei Nightgate, denn das dort gezeigte Universum hat mit unserer Erde, so wie wir sie kennen nichts zu tun. Kühl, abstrakt, minimalistisch zeigt sich diese Welt. Gefüllt von geometrischen Formen, die eher an einen Leistungskurs Mathematik, denn an ein Spiel erinnern. Keine guten Voraussetzungen für die Entspannung zwischendurch. Und doch kommt es ganz anders, aber dazu noch später.

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Zuerst wollen wir mal einen Blick auf die zentrale Spielmechanik werfen, die in meinen Augen bei kleinen iOS Titeln immer eine entscheidende Rolle zum Erfolg eines Smartphone-Games beiträgt. Und diese ist ehrlich gesagt ähnlich einfach und essentiell, wie das gesamte Spiel selbst. Man steuert dabei einen kleinen Punkt durch den Raum, nicht mehr und nicht weniger, als einen verdammten kleinen Punkt. Der Raum ist dabei ein universumähnliches Gebilde, welches durch geometrische Formen angereichert ist, die dem ganzen eine gehörige Tiefe und unglaubliche Weite vermitteln (empfehle das Spiel auf dem iPad).

Mit dem Finger auf dem Touchscreen und einer leichten Bewegung nach rechts, links, oben oder unten ändert man die Flugbahn des kleinen sympathischen Punktes und es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass nach kurzer Eingewöhnungsphase eine tiefe Verbundenheit spürbar ist und man förmlich und sehr intuitiv durch den Raum fließt.

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Das Ziel ist es, das nächstmögliche Gate zu erreichen und damit einen kleinen Funken auf das Überleben der Erde zu sichern. Der Weg zum Gate ist gezeichnet von Zwischenstationen, einem kleinen Kreis mit einem noch kleineren Punkt in der Mitte. Diese Stationen müssen berührt und aktiviert werden, erst dann ist der Weg zum Gate frei. Zwischendurch wird man von einem weiteren Punkt zur richtigen Ausgangsposition des folgenden Levels geleitet. Freunde von „The Legend of Zelda“ werden sich unweigerlich an die kleine nervende Fee Navi erinnert fühlen.

Natürlich wird die Reise von Level zu Level anstrengender und schwieriger und so stellen sich zahlreiche unterschiedliche Gegner in den Weg, die allesamt an ihrer roten Farbe zu erkennen sind. Rotierende Skalen, wie die Lautstärkenregelung einer Stereoanlage, sich auf und ab bewegende Linien mit der Schneidkraft eines Laserschwertes, propellerartige Wesen, die mit der Intelligenz eines Marschflugkörpers einem das Leben aushauchen wollen.

Begleitet wird dieses Szenario von einem sehr gelungenen und absolut passenden Soundtrack, der nicht umsonst auch bei iTunes separat gekauft werden kann. Ich erinnere mich noch gut an das Ende der 70er-Jahre, als ich anfing mich für synthetische Musik zu interessieren. Als Jugendlicher lauschte ich im Bett liegend, mit gigantischen Mickey-Mouse-Kopfhörern, den Klängen von Jean-Michel Jarre, der mich in andere Spähren abdriften lies, bis mich ein kurzes Knarzen und Kratzen der Vinyl-Schallplatte wieder in die Realität katapultierte. Kein Wunder, dass beim Soundtrack von Nightgate der Einfluss des unumstrittenen Meisters unüberhörbar ist. Angereichert mit einer modernen Prise TRON von Daft Punk. Was will man mehr… unbedingt mit Kopfhörer spielen!

Ist es vielleicht doch nur die Musik, die mich diesem Spiel verfallen lässt?

Nein, Nightgate besticht in meinen Augen mit einem Attribut, das es nur bei sehr wenigen Spielen gibt … totale Entspannung.

Ja, ein Spiel bei dem man sich nicht gehetzt, verängstigt oder überfordert fühlt. Ein Spiel das in erster Linie entspannt. Als würde man über einem guten Mandala sitzen, der Lieblingsmusik lauschen und mit jedem Bleistiftstrich mehr und mehr im Karma der inneren Ruhe versinken.

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Nightgate (Universal 2,99 €)

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